|
Pfrontener Strukturseminare
Die OPD 2 stellt ein hilfreiches Diagnoseinstrument für die Erstellung von psychodynamischen Arbeitshypothesen dar. Aufgrund der klaren Operationalisierung der zugrunde gelegten Achsen und Items ist eine fruchtbare Verständigung trotz unterschiedlicher psychotherapeutischer Ansätze und Methoden möglich. Insofern eignet sich die OPD 2 jenseits ihrer analytischen Provenienz hervorragend zur schulenübergreifenden Diagnostik und ermöglicht auf der Grundlage eines gemeinsamen interdisziplinären Konsenses eine zielgerichtete Therapieplanung und –durchführung.
In der klinischen Realität erschließt sich die OPD 2 besonders durch ihre täglich wiederkehrende Anwendung und beständiges Üben. Im stationären Setting gilt es zudem, die verschiedenen Therapieangebote so miteinander zu koordinieren, dass Synergien entstehen und die Erkenntnisarbeit der Patienten unterstützt und intensiviert werden kann.
Soweit die Theorie.
In der Praxis erweist sich insbesondere die Einschätzung der Konfliktachse (III) und der Strukturachse (IV) als entscheidendes Kriterium für die weitere Therapieplanung. Hier „liegt die Tücke im Detail“, denn der Grossteil stationärer Patienten in psychosomatischen Kliniken zeigt eine Vermischung der Konflikt- und der Strukturachse. Klinisch imponiert dieser Zusammenhang in repetitiven Beziehungsmustern, die auf der Konfliktebene angesiedelt sind, aber zugleich durch umrissene Schwächen der zugrunde liegenden Struktur erschwert werden.
Diese typische Vernetzung sollte in ein modifiziertes therapeutisches Vorgehen münden, da bei diesen Patienten häufig ein fragiles (und aktuell meist gestörtes) Gleichgewicht zwischen vorhandenen Ressourcen und strukturellen Beeinträchtigungen besteht. Es sind aber gerade die strukturellen Hürden, für die unsere Patienten therapeutische Unterstützung benötigen und mit deren schrittweiser Überwindung eine Stabilisierung auf Dauer möglich wird.
Was tun wir im Strukturseminar?
Seit 2008 finden in der Klinik mehrtägige Seminare statt, zu denen sich zu Beginn ein fester Kern von ambulant und klinisch tätigen Psychotherapeuten zusammengefunden hat. Hierbei wurde zunächst insbesondere die Differenzierung der Konflikt- und der Strukturachse vertieft, vor allem jedoch aktiv an Fallbeispielen und Patientenvorstellungen geübt. Gerade die praktische Vorstellung ausgewählter Klinikpatienten und das differenzierte Durchdeklinieren von konkreten (mitgebrachten) Fallbeispielen wurden als hilfreich und aufklärend beschrieben. Hieraus entstand der Wunsch nach einer Fortsetzung in ca. 4 Terminen pro Jahr.
Im Seminar werden die notwendigen theoretischen Grundlagen erwähnt um dann gemeinsam deren Anwendung zu üben. Die zugrunde gelegte Theorie ist kein Selbstzweck, sondern Instrument, die eigene diagnostische Sicht zu weiten um die bereits bestehenden Interventionsmöglichkeiten gezielter einzusetzen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Austausch und voneinander Lernen. Wo der eine „hängt“, hat die andere vielleicht eine Idee für den nächsten möglichen Schritt. Es besteht kein Erfolgsdruck, die Atmosphäre ist offen und lernorientiert. Das Seminar verfolgt keinen Anspruch auf die Vermittlung einer „reinen Lehre“, sondern soll unterstützen, die bereits bestehenden Fertigkeiten durch neue zu erweitern.
Die Seminarleitung liegt bei Dr. Thomas Wangemann, FA für Psychosomatik und Psychotherapie, FA für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren. Er ist Chefarzt der Abteilung für Integrative Psychosomatik an der Fachklinik Allgäu und steht für einen integrativen Therapieansatz, der besonders auf vorhandene Ressourcen von Patienten und Lösungsorientierung setzt. Der diagnostische Einsatz von OPD 2 erfolgt in der Abteilung pragmatisch und praxisorientiert, um auf der Grundlage einer schnellst möglichen Arbeitshypothese die Behandlungszeit vor allem für Therapie nutzen zu können.
Das mittlerweile 6. Strukturseminar wird vom 18.06. – 20.06.2010 in der Fachklinik Allgäu stattfinden. Es werden ca. 20 Fortbildungspunkte bestätigt werden können. Die Seminargröße sollte zwischen 12 und 20 Teilnehmern liegen. Die Seminargebühr beträgt € 120.- ohne Unterkunft incl. Verpflegung. Für allgemeinen Klärungsbedarf, Fragen zur Organisation, Hilfe bei der Unterkunft etc. ist unser Sekretariat, Frau Straub, Tel.: 08363 – 691 211 gerne behilflich.
Ein nächster Seminartermin besteht für 24.09. – 26.09.2010.
|